Glienicke – quo vadis?

Veröffentlicht am 15.09.2021 in Kommunalpolitik
 

Hier entstehen fünf Etagen Beton.(Foto: privat)

von Uwe Klein, Gemeindevertreter

Glienicke - Wohin gehst du? Eine Frage, die sich sicher viele stellen, wenn sie sich in unserem Glienicke umschauen. 

Muss wirklich jeder Zentimeter in Glienicke bebaut werden?

Muss Glienicke wirklich krampfhaft immer weiterwachsen?

Was muss getan werden, damit sich der Charakter Glienickes nicht noch weiter verändert? 

Ich bin kein „alter“ Glienicker. Vor über 20 Jahren zog ich hierher. Mit eine Entscheidung für Glienicke war damals, dass mir die Entwicklung des Ortes gefiel. Veränderungen und Neuem gegenüber aufgeschlossen, gleichzeitig aber den besonderen Charme Glienickes bewahrend. Zu dieser Entwicklung gehört auch der Sonnengarten. Ich habe selbst viele Jahre im Sonnengarten gewohnt und dieser gehört genauso zu Glienicke wie alle anderen Bereiche. 

Doch wollen wir es wirklich zulassen, dass eine Bebauungsdichte wie an der Glienicker Spitze und im Sonnengarten im restlichen noch unbebauten Glienicke zur Regel wird?

Zwischen Galerie Sonnengarten und der Grundschule klafft eine große Baugrube. Hier soll ein Gebäude mit Wohnungen entstehen, welches von der Hauptstraße aus gesehen eine Höhe von fünf Etagen haben wird und somit unser Ortszentrum nachhaltig (nicht zum Positiven) verändern wird. Was wir nicht brauchen, sind hochpreisige Wohnungen, um dem Wachstumswahn einiger gerecht zu werden. Dass dieser Monsterbau in der Gemeindevertretung mehrheitlich befürwortet worden ist, schmerzt alle Kommunalpolitiker, denen Glienicke am Herzen liegt, bis heute.

Die jüngsten Starkregenereignisse in Glienicke, aber vor allem auch der schlimmen Bilder der Überschwemmungen im Süden unseres Landes, regen hoffentlich viele an, althergebrachte und lange vertretene Positionen zu überdenken.

Es wird Zeit, dass wir umdenken! Die unversiegelten grünen Flächen, die es in Glienicke noch gibt, müssen erhalten werden. Es wird Zeit, dass auch der Letzte begreift, dass das Wasser bei Starkregenereignissen nicht durch Beton versickern kann.

Bauernhof retten

Viele Bürgerinnen und Bürger haben die SPD-Fraktion auf den unterschiedlichsten Wegen zum Bauernhof am Dorfteich kontaktiert. Wir beschäftigen uns schon sehr lange mit diesem Thema, denn es uns wichtig, den Bauernhof als prägendes Symbol im Ortskern zu erhalten.

Dilemma der Kommunalpolitik

Als Kommunalpolitiker stehen wir allerdings vor einem Dilemma. Wenn wir den Bauernhof retten wollen, gibt es nur zwei Möglichkeiten, denn allein die Sanierung wird einige Millionen Euro verschlingen:

Entweder Investoren sanieren den Bauernhof oder die Gemeinde versucht den Bauernhof zu kaufen und saniert ihn selbst.

Investoren wollen Geld verdienen, das ist legitim. Um die Sanierung des denkmalgeschützten Bauernhofs zu finanzieren, müssten wir es zulassen, dass zur Kompensation der Sanierungskosten für den Bauernhof hinter dem Bauernhof Wohnungen gebaut werden. Ob eine Einigung für eine moderate Bebauung hinter dem Bauernhof mit den Investoren möglich ist…?

Wenn die Gemeinde Glienicke versucht, den Bauernhof zu kaufen, um ihn dann selbst zu sanieren, bindet dies einige Millionen Euro. Das könnte noch finanzierbar sein, doch der Unterhalt und die laufenden Kosten für den Betrieb wären für die Gemeinde Glienicke nur schwerlich zu verkraften. Möglich wäre das nur, wenn in Bezug auf die Haushaltsplanung der laufenden Kosten der Gemeinde Glienicke ein Paradigmenwechsel vollzogen würde. Ob das gewollt ist...?

Die Überlegung, die von der Gemeindevertreterin einer anderen Fraktion in Spiel gebracht wurde, den Bauernhof oder Teile davon verfallen zu lassen, damit der Denkmalschutz nicht mehr den Zugriff hat, ist für uns keine Option. Der Bauernhof ist ein Teil der Glienicker Geschichte, den es zu bewahren gilt.

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