Eklat in der Glienicker Gedenkveranstaltung

Veröffentlicht am 29.01.2013 in Allgemein

Am 3. Januar 1996 proklamierte Bundespräsident Roman Herzog den 27. Januar zum „Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“:

„Die Erinnerung darf nicht enden; sie muß auch künftige Generationen zur Wachsamkeit mahnen.
Es ist deshalb wichtig, nun eine Form des Erinnerns zu finden, die in die Zukunft wirkt. Sie soll Trauer über Leid und Verlust ausdrücken, dem Gedenken an die Opfer gewidmet sein und jeder Gefahr der Wiederholung entgegenwirken.“ (Proklamation des Bundespräsidenten vom 3. Januar 1996, in: BGBl. I, 16.1.1996, S. 17)

Auch in Glienicke wird jährlich zu einer Gedenkveranstaltung am 27. Januar eingeladen. Seit einigen Jahren gemeinsam mit der Gemeinde Mühlenbecker Land.

So traf man sich in diesem Jahr am Gedenkstein für Karl Neuhof. Am 15.November 1943 wurde er als Widerstandskämpfer jüdischer Abstammung ohne Urteil im KZ Sachsenhausen erschossen.

Nach den Reden der stellvertretenden Glienicker Bürgermeisterin, Jana Klätke, dem Vorsitzenden der Glienicker Gemeindevertretung, Martin Beyer (CDU) sprach der Sohn von Karl Neuhof. Diese Rede von Peter Neuhof hat mich besonders bewegt. Er schaffte es einen Bogen vom Leid seiner Familie bis in die heutige Zeit zu spannen. Seine Rede ist ein Plädoyer wider des Vergessens gewesen.

Nachdem am Gedenkstein für Karl Neuhof ein Kranz niedergelegt wurde, begaben sich die Anwesenden in die Glienicker Kirche.

Hier durften wir eine Lesung von vier Schülerinnen des Neuen Gymnasiums Glienicke erleben. Selbstverständlich sprach auch der Vorsitzende der Glienicker Gemeindevertretung, Martin Beyer (CDU).

Daß der Vorsitzende der Glienicker Gemeindevertretung die ihm kraft Amtes auferlegte politische Neutralität selten trifft, sind wir inzwischen gewohnt. Doch bei seiner Rede zum gestrigen Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus hat er es geschafft die Gefühle von Anwesenden mit Füßen zu treten. So verließ noch während der Rede Beyers Peter Neuhof unter Protest die Gedenkveranstaltung. Weitere Anwesende folgten seinem Beispiel.

Der 27. Januar sollte ein Tag des Gedenkens sein. Ein Tag an dem wir gemeinsam den Opfern des Nationalsozialismus gedenken, egal welcher Abstammung oder politischen Herkunft sie waren. Der 27. Januar ist kein Tag für parteipolitische Agitation.

Die Gremien der Gemeinde Glienicke/Nordbahn müssen sich kurzfristig mit der Form der Erinnerungs- und Gedenkkultur in Glienicke befassen. So etwas wie gestern in der Glienicker Kirche darf es nicht noch einmal geben.

 

Die Rede von Herr Beyer im Wortlaut: Link

 

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